Alles, was man zur Fernwärme im Linsebühl wissen muss
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Fernwärme ersetzt immer mehr Öl- und Gasheizungen. Der Ausbau ist im Quartier derzeit in vollem Gang. Auch dieses Jahr werden wieder viele Leitungen gezogen. Wir haben mit Peter Graf, Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing der Stadtwerke über das Angebot und die Pläne gesprochen.
Herr Graf, lange passierte wenig in Sachen Fernwärme im Quartier. In den letzten Jahren wurde nun aber viel gebaut, wieso geht es jetzt vorwärts?

Die Fernwärme ist ein langfristiges Infrastrukturprojekt. Das Netz wächst organisch, zunächst auf der Nordseite von Westen nach Osten und nun zurück auf der Südseite. Die Erschliessung des Quartiers Südost begann im Jahr 2015 mit dem Anschluss der Stadtsäge. In den Ausbauphasen 1 und 2 wurden die Volksbadstrasse (2018), die Molkenstrasse (2020), die Kantonsschule (2021) und ein Teil der Rorschacher Strasse (2023) angeschlossen. Einen Schub gab es nun mit den Ausbauphasen 3 und 4, die das Stimmvolk Ende November 2023 annahm.
Kurz darauf, nach den Sommerferien 2024, begannen die Arbeiten in der Linsebühlstrasse, anschliessend wurden Rohre in der Axensteinstrasse verlegt, insgesamt 600 Meter. Was ist als nächstes geplant?
Dieses Jahr werden wir Schwalben-, Flora- und Konkordia- bis hinunter zur Lämmlisbrunnenstrasse erschliessen. Das sind rund 850 Meter Leitungslänge. Damit können wir rund 70 Gebäude und 500 Haushalte an die Fernwärme anschliessen. Im Jahr 2027 ist der Anschluss der Wildegg-, der Lämmlisbrunnen- und der Flurhofstrasse geplant. Im Jahr 2028 folgt voraussichtlich die Moosbruggstrasse. Zudem werden Lücken im bestehenden Netz geschlossen.
Wie ist das Feedback der Hauseigentümer:innen? Wieviele entscheiden sich für einen Anschluss?
Wir erhalten sehr positive Rückmeldungen. Viele entscheiden sich für einen Anschluss, weil wir ein attraktives Preismodell anbieten können und weil Fernwärme eine umweltverträgliche Lösung ist. Und wenn die Eigentümerschaft während der Ausbauphase einen Anschluss bestellt, entfallen die Anschlussgebühren. Nachträglich müsste diese Gebühr übernommen werden. Aber: Innerhalb von zwei Jahren muss die Fernwärme auch genutzt werden. Zudem ist es mittlerweile gesetzlich kaum mehr möglich, fossile Heizsysteme wie Gas oder Öl 1:1 zu
ersetzen. Auf dicht bebautem Stadtgebiet gibt es oft keine sinnvollen Alternativen zur Fernwärme.

Gibt es auch Eigentümer:innen, die sich gegen einen Anschluss entschieden haben?
Ja, das kommt vor. Vor allem bei Gebäuden mit bestehenden, noch relativ neuen Heizsystemen. Dort lohnt sich der Wechsel finanziell oft erst später.
Wie teuer ist Fernwärme im Vergleich zu Gas oder Öl?
Ein Vergleich der Brennstoffkosten zeigt nicht das gesamte Bild. Insbesondere da ein 1:1-Ersatz einer Öl- oder Gasheizung kaum mehr möglich ist. So müsste der Kostenvergleich zum Beispiel eher mit einer Wärmepumpe erfolgen. Bei einem typischen Jahresverbrauch liegen die Preise derzeit bei 9.5 Rappen pro kWh für Öl, 14.2 für Erdgas (St.Galler Gas Öko) und 15.7 für Fernwärme. Sie ist damit vergleichbar mit Erdgas, liegt aber deutlich über dem aktuellen Ölpreis. Dafür bietet sie mehr Preisstabilität, weniger Wartungsaufwand und eine klimafreundliche Versorgung – unabhängig von globalen Energiemärkten.
Zur Ökobilanz: Wie gut ist diese im Vergleich mit Gas und Öl?
Sehr gut. Fernwärme verursacht deutlich weniger CO₂ als fossile Heizsysteme. Zum Vergleich: Heizöl kommt auf rund 266 Gramm CO₂ pro kWh, Erdgas auf 130 Gramm (St.Galler Gas Öko) und Fernwärme auf 85 Gramm. Ein Wechsel von Öl auf Fernwärme senkt den CO₂-Ausstoss
also um rund 70 Prozent, bei einem Wechsel von Gas um rund 35 Prozent. Jedoch unter der Voraussetzung, dass St.Galler Gas Öko gewählt wird. Die Fernwärme ist ein Schlüsselelement des Energiekonzepts der Stadt St.Gallen mit dem Ziel bis 2050 CO₂-neutral zu werden.
Im Spätsommer 2024 wurde die Fernwärme in der Linsebühlstrasse verlegt, gleich mit einem Anschluss an die Schwalbenstrasse. Im 2025 folgten Axensteinstrasse, Birtweg und Molkenstrasse (bis Schülerhaus).
Können Sie sagen, wieviel CO₂ im Quartier bereits eingespart wurde mit dem Umstieg auf Fernwärme?
Es gibt keine exakte Auswertung pro Quartier. Wir haben jedoch auf Basis der angeschlossenen Lose eine Hochrechnung gemacht: Im Quartier werden dadurch jährlich rund 1’100 Tonnen CO₂ eingespart.
Trotzdem: Nur zwei Drittel der Fernwärme wird durch Kehrichtverbrennung erzeugt, ein Drittel immer noch fossil mit Gas und Öl. Nicht sehr nachhaltig.
Ja, um die Spitzen abzudecken, brauchen wir die Fernwärmezentralen, wo Wärme gespeichert, aber auch mit Gas oder Öl geheizt wird. Der Anteil an fossiler Energie in der Fernwärme soll aber in den kommenden Jahren schrittweise reduziert werden. Das Kehricht-Heizkraftwerk wird
laufend optimiert, es gibt zum Beispiel einen neuen Wärmespeicher für die kurzfristigen Spitzen. Dann ist ein Alt-Holzheizkraftwerk geplant, das den fossilen Anteil halbieren würde. Zudem soll in Zukunft Biogas und synthetisches Gas zum Einsatz kommen. So verbessern wir schrittweise die Ökobilanz. Bis 2050 wollen wir vollständig dekarbonisieren.
Synthetisches Gas gibt es heutzutage aber noch kaum.
Richtig. Die Produktion lohnt sich erst bei einem Stromüberschuss – etwa im Sommer durch Photovoltaik. Noch ist der Einsatz begrenzt, aber er wird in Zukunft wichtiger.
Heute stammt der grosse Teil der Wärme aus Abfall. Würde es nicht mehr Sinn machen, mehr zu recyclen, statt zu verbrennen?
Natürlich wäre weniger Abfall besser. Aber auch in Zukunft wird es Reststoffe geben, die sich nicht recyceln lassen. Diese sinnvoll zu nutzen – zum Beispiel durch Energiegewinnung – ist ökologisch sinnvoll.
Fernwärme ist aus technischen Gründen auf 700 m ü.M. begrenzt. Der Dreilindenhang zum Beispiel liegt zu hoch. Und auch im Tal bekommen nicht alle Anschluss. Wie können diese Gebäude trotzdem nachhaltig geheizt werden?
Unsere Wärmeberatung hilft gerne bei der Suche nach passenden Lösungen für eine umweltverträgliche Wärmeversorgung, wie zum Beispiel Nahwärmeverbunde oder Wärmepumpen. In der Talzone fehlt tatsächlich noch die Feinverästelung. Diese kommt etwas später dran. Ob und wann das eigene Haus einen Fernwärme-Anschluss erhält, kann man auf unserer Website nachschauen auf
Interview und Bilder: Sascha Schmid






















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