Lost Place Hotel Ekkehard
- saschasascha5
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Seit fast zwei Jahrzehnten steht das ehemalige Hotel Ekkehard leer. Nach Jahren der Planung, Gutachten und Einsprachen liegt jetzt ein konkretes Baugesuch vor (wir berichteten). Das Gebäude soll umfassend saniert und erweitert werden. Was 1895 seinen Anfang nahm, wird 130 Jahre nach der Grundsteinlegung und etlichen Bauettappen wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Zum aktuellen Anlass ging Südost auf eine Expedition und nimmt Sie mit auf eine Zeitreise in den vor rund 20 Jahren verlassenen Bau.
Text und Fotografie: Philip Kerschbaum

Donnerstag, 18. Dezember 2025, 9 Uhr:
Mein Name ist Philip Kerschbaum. Ich traf mich mit Thomas Reiner, der mir Einlass in das ehemalige Hotel Ekkehard gewehrt – ein einst so lebendiger und pulsierender Ort ist nunmehr seit zwei Dekaden verlassen und leblos. In der Zeit des Stillstands nutzten kulturelle Filmveranstaltungen, Obdachlose und die Polizei kurzweilig das Gebäude, die ihre individuellen Spuren hinterliessen. Als Architekt und Projektleiter von Ammann + Koller erklärte mir Reiner den geschichtlichen Hintergrund, die aktuelle Situation und die Grundsätze der zukünftigen architektonischen Konzeption. Doch vor allem nahm er mich mit auf eine Reise zu einem verlorenen Ort mitten im Herzen von St.Gallen. Nach einer kurzen Einführung und gemeinsamen Begehung, hatte ich Zeit, die rund 3000 m2 allein zu erkunden. Während der Begehung fühlte ich mich teilweise in das Wien des 19. Jahrhunderts versetzt und hörte im grossen Saal die Gäste im 3/4-Takt tanzen; zeitgleich hatte ich Assoziationen zu Filmen wie Shining, welche bei mir Gänsehaut auslösten. Es war unheimlich und gleichzeitig faszinierend, als ich im Keller ohne Licht nur mit meiner Mobile-Taschenlampe «bewaffnet» den sterilen und leblosen Kühlraum öffnete oder die «Geisterkegelbahn» beging. Und auch als ich Patronenhülsen und Einsatzspuren von Rammungen der Polizei entdeckte, war das beeindruckend. Das Gebäude hat über die Jahre sehr gelitten, die verletzte, aufgerissene Bausubstanz erinnert an einen gefallenen Helden. Die 130-jährige Jugendstilwendeltreppe führte mich über fünf Stockwerke zu den unterschiedlichsten Orten mit ganz eigener Atmosphäre.





Vergangenheit
1895 wurde zeitgleich zum Bau der Linsebühlkirche das Hotel Ekkehard gebaut. Das Hotel mit seinem Saal hatte eine grosse Bedeutung für das gesellschaftliche Leben in St.Gallen. Die Historie des Hotels Ekkehard war vielschichtig und ambivalent. Neben typischen Veranstaltungen wie Bälle jeder Art, politische Veranstaltungen, fanden sogar ManStrip-Shows, in den 1930er/40er Naziversammlungen für eine Feier zum Geburtstag Adolf Hitlers und Konzerte wie das der Rockband Genesis 1972 statt.





Gegenwart
«Ich gehe die Treppen in die Dunkelheit des Kellers hinunter. Einzig das Licht meines Mobiles leuchtet mir den Weg», erzählt Philip Kerschbaum, der für das Südost auf Spurensuche ging. «Ein seltsamer Ort, fast verloren. Das Knarren unter den Fusssohlen sowie der Geruch von Teppichen und Staub, der über Jahrzehnte liegen blieb, begleiten mich. Zurückgelassene Teller, aufgerissene Böden und Wände sowie frei hängende Stromkabel und auch die verlassene Kegelbahn haben etwas Unheimliches, erzählen aber auch die Geschichte der Vergangenheit, an die sich viele St.Galler gerne erinnern.»


























Zukunft
«Mit grossem Respekt vor dem kulturellen Erbe und mit einer klaren Zukunftsvision, soll dem Haus neues Leben eingehaucht werden», erzählt Daniela Koller, Mitinhaberin der Forol AG – Besitzerin des Hotels Ekkehard. Der imposante Stadtsaal soll für mehr Rentabilität weichen. Durch den Einzug eines Zwischenbodens entsteht neuer Raum für Hotelgäste – insgesamt sollen 103 neue Hotelzimmer entstehen. Das Hotel soll wieder zu einem wichtigen Treffpunkt im Quartier werden.















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