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Lost Place Hotel Ekkehard

Seit fast zwei Jahrzehnten steht das ehemalige Hotel Ekkehard leer. Nach Jahren der Planung, Gutachten und Einsprachen liegt jetzt ein konkretes Baugesuch vor (wir berichteten). Das Gebäude soll umfassend saniert und erweitert werden. Was 1895 seinen Anfang nahm, wird 130 Jahre nach der Grundsteinlegung und etlichen Bauettappen wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Zum aktuellen Anlass ging Südost auf eine Expedition und nimmt Sie mit auf eine Zeitreise in den vor rund 20 Jahren verlassenen Bau.


Text und Fotografie: Philip Kerschbaum


Kommen Sie mit auf eine Bilderreise durch das Hotel Ekkehard. Über die Wendeltreppe erschliesst sich mir eine einzigartige Kulturstätte im Herzen von St.Gallen.
Kommen Sie mit auf eine Bilderreise durch das Hotel Ekkehard. Über die Wendeltreppe erschliesst sich mir eine einzigartige Kulturstätte im Herzen von St.Gallen.

Donnerstag, 18. Dezember 2025, 9 Uhr:

Mein Name ist Philip Kerschbaum. Ich traf mich mit Thomas Reiner, der mir Einlass in das ehemalige Hotel Ekkehard gewehrt – ein einst so lebendiger und pulsierender Ort ist nunmehr seit zwei Dekaden verlassen und leblos. In der Zeit des Stillstands nutzten kulturelle Filmveranstaltungen, Obdachlose und die Polizei kurzweilig das Gebäude, die ihre individuellen Spuren hinterliessen. Als Architekt und Projektleiter von Ammann + Koller erklärte mir Reiner den geschichtlichen Hintergrund, die aktuelle Situation und die Grundsätze der zukünftigen architektonischen Konzeption. Doch vor allem nahm er mich mit auf eine Reise zu einem verlorenen Ort mitten im Herzen von St.Gallen. Nach einer kurzen Einführung und gemeinsamen Begehung, hatte ich Zeit, die rund 3000 m2 allein zu erkunden. Während der Begehung fühlte ich mich teilweise in das Wien des 19. Jahrhunderts versetzt und hörte im grossen Saal die Gäste im 3/4-Takt tanzen; zeitgleich hatte ich Assoziationen zu Filmen wie Shining, welche bei mir Gänsehaut auslösten. Es war unheimlich und gleichzeitig faszinierend, als ich im Keller ohne Licht nur mit meiner Mobile-Taschenlampe «bewaffnet» den sterilen und leblosen Kühlraum öffnete oder die «Geisterkegelbahn» beging. Und auch als ich Patronenhülsen und Einsatzspuren von Rammungen der Polizei entdeckte, war das beeindruckend. Das Gebäude hat über die Jahre sehr gelitten, die verletzte, aufgerissene Bausubstanz erinnert an einen gefallenen Helden. Die 130-jährige Jugendstilwendeltreppe führte mich über fünf Stockwerke zu den unterschiedlichsten Orten mit ganz eigener Atmosphäre.



Bereits beim Eingang begrüssen mich die Worte «das leben ist eine baustelle. kunst ist leben. artagenda.com». Der Ort wurde kurz mit einigen Filmvorführungen zeitgenössischer Kunstfilme von «artagenda» bespielt. Eine schöne Zwischennutzung, welche historischen Bezug aufweist, denn die erste öffentliche Veranstaltung im Hotel Ekkehard war 1897 eine Vorführung des weltberühmten Kinematographen – einer Art Kino – der musikalisch vom Theaterorchester unterlegt wurde. Die Vorführung war die erste filmische Vorführung in der Stadt St.Gallen und ein Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens.
Bereits beim Eingang begrüssen mich die Worte «das leben ist eine baustelle. kunst ist leben. artagenda.com». Der Ort wurde kurz mit einigen Filmvorführungen zeitgenössischer Kunstfilme von «artagenda» bespielt. Eine schöne Zwischennutzung, welche historischen Bezug aufweist, denn die erste öffentliche Veranstaltung im Hotel Ekkehard war 1897 eine Vorführung des weltberühmten Kinematographen – einer Art Kino – der musikalisch vom Theaterorchester unterlegt wurde. Die Vorführung war die erste filmische Vorführung in der Stadt St.Gallen und ein Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens.
Die einst vornehme Eingangshalle erscheint heute mit entblösster, roher Decke und legt ihre metallenen Lüftungsrohre frei. Übermalte Wände muten künstlerisch an und erinnern an die Kunst von Antoni Tàpies und Mark Rothko.
Die einst vornehme Eingangshalle erscheint heute mit entblösster, roher Decke und legt ihre metallenen Lüftungsrohre frei. Übermalte Wände muten künstlerisch an und erinnern an die Kunst von Antoni Tàpies und Mark Rothko.
Von Hand mit Hilfe von Schablonen beschriftete Wände zeugen von der kulturellen filmischen Zwischennutzung mit internationaler Strahlkraft. «IN COLLABORATION WITH PARTE.CO NYC» sind einige der vielen schriftlichen Referenzen zu den Filmaufführungen vor Ort und der weltweiten Zusammenarbeit.
Von Hand mit Hilfe von Schablonen beschriftete Wände zeugen von der kulturellen filmischen Zwischennutzung mit internationaler Strahlkraft. «IN COLLABORATION WITH PARTE.CO NYC» sind einige der vielen schriftlichen Referenzen zu den Filmaufführungen vor Ort und der weltweiten Zusammenarbeit.
Nachdem Ernst Leander das Hotel im April 2008 an die Forol AG verkauft hatte, verfiel es in einen Dornröschenschlaf. In den ersten beiden Jahren des Stillstands brachen Obdachlose in das ehemalige Hotel ein, um sich ein Dach über dem Kopf zu sichern. Um im ungesicherten Gebäude Unfälle oder Schäden zu verhindern, wurden die Fenster im unteren Stock mit Gittern umfassend abgesperrt.
Nachdem Ernst Leander das Hotel im April 2008 an die Forol AG verkauft hatte, verfiel es in einen Dornröschenschlaf. In den ersten beiden Jahren des Stillstands brachen Obdachlose in das ehemalige Hotel ein, um sich ein Dach über dem Kopf zu sichern. Um im ungesicherten Gebäude Unfälle oder Schäden zu verhindern, wurden die Fenster im unteren Stock mit Gittern umfassend abgesperrt.
Im rechten Flügel neben der Eingangshalle hängen Pläne, Ansichten, Fassadendetails und historische Bilder. Diese sind Bestandteile der umfassenden Baueingabe der Forol AG. Wenn alles rund läuft, können die Bauarbeiten im Herbst 2026 starten.
Im rechten Flügel neben der Eingangshalle hängen Pläne, Ansichten, Fassadendetails und historische Bilder. Diese sind Bestandteile der umfassenden Baueingabe der Forol AG. Wenn alles rund läuft, können die Bauarbeiten im Herbst 2026 starten.

Vergangenheit

1895 wurde zeitgleich zum Bau der Linsebühlkirche das Hotel Ekkehard gebaut. Das Hotel mit seinem Saal hatte eine grosse Bedeutung für das gesellschaftliche Leben in St.Gallen. Die Historie des Hotels Ekkehard war vielschichtig und ambivalent. Neben typischen Veranstaltungen wie Bälle jeder Art, politische Veranstaltungen, fanden sogar ManStrip-Shows, in den 1930er/40er Naziversammlungen für eine Feier zum Geburtstag Adolf Hitlers und Konzerte wie das der Rockband Genesis 1972 statt.


Die architektonische Erscheinung soll sich wieder dem historischen Vorbild von 1895 annähern. Ich erblicke den im 19. Jahrhundert auf dem Zeichenbrett entworfenen Ansichtsplan des ersten Architekten Wendelin Heene. Ein typisch vom Historismus geprägter Entwurf vereint Stilelemente wie die Symmetrie, die an den Klassizismus erinnert mit barocken anmutenden Stil-Elementen – so zum Beispiel die in den ovalen opulent verzierten Aussenfenster im zweiten Stock – und mit wenigen ersten modernen Elementen des Jugendstils – wie etwa die in Eisen gefassten Fenster.
Die architektonische Erscheinung soll sich wieder dem historischen Vorbild von 1895 annähern. Ich erblicke den im 19. Jahrhundert auf dem Zeichenbrett entworfenen Ansichtsplan des ersten Architekten Wendelin Heene. Ein typisch vom Historismus geprägter Entwurf vereint Stilelemente wie die Symmetrie, die an den Klassizismus erinnert mit barocken anmutenden Stil-Elementen – so zum Beispiel die in den ovalen opulent verzierten Aussenfenster im zweiten Stock – und mit wenigen ersten modernen Elementen des Jugendstils – wie etwa die in Eisen gefassten Fenster.
Die historische Fotografie um 1900 zeigte mir das gloriose Hotel in ursprünglicher Form. Damals noch freistehend ohne anliegende Häuser. Zu Zeiten, als die Gäste mit der Kutsche vorfuhren, um im Hotel zu logieren.
Die historische Fotografie um 1900 zeigte mir das gloriose Hotel in ursprünglicher Form. Damals noch freistehend ohne anliegende Häuser. Zu Zeiten, als die Gäste mit der Kutsche vorfuhren, um im Hotel zu logieren.
Die Spuren des Zerfalls sind allgegenwärtig. Die Säule weist Spuren der verschiedenen Zeitepochen und Abnutzung auf. Einzig das vertikale Gestänge verweist darauf, dass einst eine tiefer gehängte Zwischendecke den Raum verkleidete.
Die Spuren des Zerfalls sind allgegenwärtig. Die Säule weist Spuren der verschiedenen Zeitepochen und Abnutzung auf. Einzig das vertikale Gestänge verweist darauf, dass einst eine tiefer gehängte Zwischendecke den Raum verkleidete.
In den verlassenen Zimmern zeugen Patronenhülsen von den regelmässigen Schiessübungen der Polizei, welche das Hotel für Einsatzübungen nützt, die den Ernstfall simulieren.
In den verlassenen Zimmern zeugen Patronenhülsen von den regelmässigen Schiessübungen der Polizei, welche das Hotel für Einsatzübungen nützt, die den Ernstfall simulieren.
Das Hotel besass zwei Küchen und ein Restaurant, welches auch von auswärtigen Gästen besucht werden konnte. Auch das zukünftige Konzept soll ein offener Treffpunkt im Quartier sein und sieht ein Restaurant, eine Bar und ein Bistro vor.
Das Hotel besass zwei Küchen und ein Restaurant, welches auch von auswärtigen Gästen besucht werden konnte. Auch das zukünftige Konzept soll ein offener Treffpunkt im Quartier sein und sieht ein Restaurant, eine Bar und ein Bistro vor.

Gegenwart

«Ich gehe die Treppen in die Dunkelheit des Kellers hinunter. Einzig das Licht meines Mobiles leuchtet mir den Weg», erzählt Philip Kerschbaum, der für das Südost auf Spurensuche ging. «Ein seltsamer Ort, fast verloren. Das Knarren unter den Fusssohlen sowie der Geruch von Teppichen und Staub, der über Jahrzehnte liegen blieb, begleiten mich. Zurückgelassene Teller, aufgerissene Böden und Wände sowie frei hängende Stromkabel und auch die verlassene Kegelbahn haben etwas Unheimliches, erzählen aber auch die Geschichte der Vergangenheit, an die sich viele St.Galler gerne erinnern.»


Die Treppe führt mich Stufe um Stufe tiefer in den düsteren Keller hinab. Ich weiss nicht, was mich da unten erwartet. Mein Mobile leuchtet mir den Weg…
Die Treppe führt mich Stufe um Stufe tiefer in den düsteren Keller hinab. Ich weiss nicht, was mich da unten erwartet. Mein Mobile leuchtet mir den Weg…
Der erste grosse Raum ist die ehemalige Hotelküche. Auf Erkundung geisterte ich durch die verlassenen und zerstörten Räume. Fotografien waren hier unten nur mit extrem langen Belichtungszeiten möglich. Aufgerissene Böden, aufgehäufte Erde und Schutthaufen prägen mein Bild. Die Küche, in der früher Hochbetrieb herrschte, hat ihre besten Zeiten weit hinter sich gelassen.
Der erste grosse Raum ist die ehemalige Hotelküche. Auf Erkundung geisterte ich durch die verlassenen und zerstörten Räume. Fotografien waren hier unten nur mit extrem langen Belichtungszeiten möglich. Aufgerissene Böden, aufgehäufte Erde und Schutthaufen prägen mein Bild. Die Küche, in der früher Hochbetrieb herrschte, hat ihre besten Zeiten weit hinter sich gelassen.
Auf den stehen gelassenen Tellern setzte sich Staub der Erinnerung wie Puderzucker ab. Als hätte man sie eben noch verwendet und schreckartig vor 20 Jahren zurückgelassen.
Auf den stehen gelassenen Tellern setzte sich Staub der Erinnerung wie Puderzucker ab. Als hätte man sie eben noch verwendet und schreckartig vor 20 Jahren zurückgelassen.
Das nächste Zimmer – die Metzgerei – eine Schürze an der Wand verweist auf dessen Nutzung. Ich denke an Shining. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter.
Das nächste Zimmer – die Metzgerei – eine Schürze an der Wand verweist auf dessen Nutzung. Ich denke an Shining. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter.
Die Natur erobert sich das Gebäude zurück. Naturalia – ein natürlicher Kreislauf. Doch wie lange hält das Gebäude stand?
Die Natur erobert sich das Gebäude zurück. Naturalia – ein natürlicher Kreislauf. Doch wie lange hält das Gebäude stand?
Die Wände blättern Schicht um Schicht ihrer Substanz und damit verbundene Erinnerung ab. Im ganzen Hotel gingen die Lichter aus – die Lichtschalter haben ihre Funktion verloren.
Die Wände blättern Schicht um Schicht ihrer Substanz und damit verbundene Erinnerung ab. Im ganzen Hotel gingen die Lichter aus – die Lichtschalter haben ihre Funktion verloren.
Für mich wirkt die Szene fast surreal – ein aufgeschütteter Haufen aus Erde und Schutt scheint aus dem Boden zu quellen. Daneben steht ein stählerner Kochkessel, in welchem abertausende Gerichte gegart wurden.
Für mich wirkt die Szene fast surreal – ein aufgeschütteter Haufen aus Erde und Schutt scheint aus dem Boden zu quellen. Daneben steht ein stählerner Kochkessel, in welchem abertausende Gerichte gegart wurden.
An Spitzentagen bereitete die Hotelküche damals mehr als tausend Menüs, auf dem Niveau von 13 Gault-Millau-Punkten zu. Der früher prall gefüllte Kühlraum erscheint heute leblos und leer.
An Spitzentagen bereitete die Hotelküche damals mehr als tausend Menüs, auf dem Niveau von 13 Gault-Millau-Punkten zu. Der früher prall gefüllte Kühlraum erscheint heute leblos und leer.
«A point!» Für die Kommunikation zwischen mehreren Stockwerken diente das interne Telefon, über welches Bestellungen aus dem Restaurant direkt der Küche gemeldet wurden. Der nahegelegene Speiselift brachte die fertigen Gerichte zeitnah und frisch zu den Gästen.
«A point!» Für die Kommunikation zwischen mehreren Stockwerken diente das interne Telefon, über welches Bestellungen aus dem Restaurant direkt der Küche gemeldet wurden. Der nahegelegene Speiselift brachte die fertigen Gerichte zeitnah und frisch zu den Gästen.
Ich gehe aus der Küche wieder in den Kellergang, wo sich der Sicherungskasten für das ganze Hotel befindet. Auf meiner Fotografie sind circa die Hälfte der rund 320 Sicherungen sichtbar. Ein Kontrollpult, an dem sich die Elektrifizierung des ganzen Hotels an einem Ort regeln lässt.
Ich gehe aus der Küche wieder in den Kellergang, wo sich der Sicherungskasten für das ganze Hotel befindet. Auf meiner Fotografie sind circa die Hälfte der rund 320 Sicherungen sichtbar. Ein Kontrollpult, an dem sich die Elektrifizierung des ganzen Hotels an einem Ort regeln lässt.
Bei der Begehung fiel ein Begriff «Inlibra – die Tränen der Schlange». Dieser wird für Wasserschäden gebraucht. Wunderschön, aber nicht zu unterschätzen, denn Wasser kann für das Gebäude und die Gesundheit enorm schädlich sein. In der Ferne ein Licht zu einer Treppe, welches mir den Weg weist.
Bei der Begehung fiel ein Begriff «Inlibra – die Tränen der Schlange». Dieser wird für Wasserschäden gebraucht. Wunderschön, aber nicht zu unterschätzen, denn Wasser kann für das Gebäude und die Gesundheit enorm schädlich sein. In der Ferne ein Licht zu einer Treppe, welches mir den Weg weist.
Freigelegtes Herz – der eiserne Öltank wärmte vier stattliche Hallen und etliche Zimmer.
Freigelegtes Herz – der eiserne Öltank wärmte vier stattliche Hallen und etliche Zimmer.
Anarchie: Zerschlagene Deckenleuchten, Scherben und Holzsplitter liegen auf der verlassenen Kegelbahn. Die Dysfunktionalität verdeutlicht die Verlorenheit des einst geselligen Raumes. Und die Aussage «Laufbahn nicht betreten» setzt der Ironie der Szene die Krone auf.
Anarchie: Zerschlagene Deckenleuchten, Scherben und Holzsplitter liegen auf der verlassenen Kegelbahn. Die Dysfunktionalität verdeutlicht die Verlorenheit des einst geselligen Raumes. Und die Aussage «Laufbahn nicht betreten» setzt der Ironie der Szene die Krone auf.
Ein natürliches Licht zieht meine Aufmerksamkeit auf sich und führt mich die Treppen empor. Ich lasse die ehemalige Kegelbahn mit den Graffiti-Sprayereien, den zerbrochenen Möbeln und den runter gerissenen Kabeln hinter mir.
Ein natürliches Licht zieht meine Aufmerksamkeit auf sich und führt mich die Treppen empor. Ich lasse die ehemalige Kegelbahn mit den Graffiti-Sprayereien, den zerbrochenen Möbeln und den runter gerissenen Kabeln hinter mir.
Oben angelangt, erblicke ich das Wort Exit. Ein stattliches Eichen-Tor umsäumt von einer roten Wand, auf der das Licht mich warm willkommen heisst. Das überdimensionale Tor zeugt von der Blütezeit des Hotels. Mein Blick geht Richtung steinerne Stufen …
Oben angelangt, erblicke ich das Wort Exit. Ein stattliches Eichen-Tor umsäumt von einer roten Wand, auf der das Licht mich warm willkommen heisst. Das überdimensionale Tor zeugt von der Blütezeit des Hotels. Mein Blick geht Richtung steinerne Stufen …
Ich blicke die Treppe empor. Bis zu 400 Gäste besuchten die Anlässe im grossen Saal. Die Wendeltreppe im Jugendstil erstreckt sich vertikal über fünf Stockwerke und geleitet sie zu ihrem Ziel.
Ich blicke die Treppe empor. Bis zu 400 Gäste besuchten die Anlässe im grossen Saal. Die Wendeltreppe im Jugendstil erstreckt sich vertikal über fünf Stockwerke und geleitet sie zu ihrem Ziel.
Doch ich warte noch mit dem Aufstieg und gehe in das links gelegene Bad. Ich denke an die vielen farbenfrohen Veranstaltungen, die hier stattgefunden haben und an die Offenheit die das Ekkehard all die Jahre gegenüber Anlässen aller Art hatte.
Doch ich warte noch mit dem Aufstieg und gehe in das links gelegene Bad. Ich denke an die vielen farbenfrohen Veranstaltungen, die hier stattgefunden haben und an die Offenheit die das Ekkehard all die Jahre gegenüber Anlässen aller Art hatte.
Wieder im Zentrum des Erdgeschosses angelangt, begrüsst mich ein freigelegter «Kabelbaum» der früher in einem verschlossenen Kabelschacht untergebracht war. Hier scheint alles gebündelt zu werden und direkt mit dem zentralen Sicherungskasten verwurzelt zu sein. Die Szene nimmt mich gefangen und erinnert mich an die Serie «Stranger Things».
Wieder im Zentrum des Erdgeschosses angelangt, begrüsst mich ein freigelegter «Kabelbaum» der früher in einem verschlossenen Kabelschacht untergebracht war. Hier scheint alles gebündelt zu werden und direkt mit dem zentralen Sicherungskasten verwurzelt zu sein. Die Szene nimmt mich gefangen und erinnert mich an die Serie «Stranger Things».
Das romantische und barock anmutende Bild im Foyer hinter dem Eisengitter steht für mich wie eine Metapher für die jahrelange Verschlossenheit und Unerreichbarkeit des Ekkehard. Ich gehe die Stufen hinauf.
Das romantische und barock anmutende Bild im Foyer hinter dem Eisengitter steht für mich wie eine Metapher für die jahrelange Verschlossenheit und Unerreichbarkeit des Ekkehard. Ich gehe die Stufen hinauf.
Das Hotel wird neben der südlich liegenden Wendeltreppe über ein zentrales grosszügiges Treppenhaus erschlossen.
Das Hotel wird neben der südlich liegenden Wendeltreppe über ein zentrales grosszügiges Treppenhaus erschlossen.
Ich betrete einen kleinen der vier Säle im ersten Stock. Die Löcher in der Wand zeugen von den Polizeiübungen, die mit Rammen das Mauerwerk aufbrachen.
Ich betrete einen kleinen der vier Säle im ersten Stock. Die Löcher in der Wand zeugen von den Polizeiübungen, die mit Rammen das Mauerwerk aufbrachen.
Hochwertige Damast-Tapeten erinnern an die Blütezeit des Hotels. Der changierende Effekt des Blütenmusters fängt meine Aufmerksamkeit.
Hochwertige Damast-Tapeten erinnern an die Blütezeit des Hotels. Der changierende Effekt des Blütenmusters fängt meine Aufmerksamkeit.
Im Kontrast zum floralen Muster ein Scherbenhaufen – fast schon als hätte man eine künstlerische Aussage platzieren wollen.
Im Kontrast zum floralen Muster ein Scherbenhaufen – fast schon als hätte man eine künstlerische Aussage platzieren wollen.
Ich gehe wieder zum südlichen Treppenhaus im ersten Stock. Überall sehe ich Absperrbänder der Polizei, welche als Reminiszenz für deren Einsätze den Ort klar markieren.
Ich gehe wieder zum südlichen Treppenhaus im ersten Stock. Überall sehe ich Absperrbänder der Polizei, welche als Reminiszenz für deren Einsätze den Ort klar markieren.
Wieder bei der Jugendstil-Wendeltreppe steige ich voller Neugier ihre steinernen Stufen weiter hoch in das zweite Stockwerk.
Wieder bei der Jugendstil-Wendeltreppe steige ich voller Neugier ihre steinernen Stufen weiter hoch in das zweite Stockwerk.
Dort befindet sich der berühmte Ekkehard-Saal.
Dort befindet sich der berühmte Ekkehard-Saal.

Zukunft

«Mit grossem Respekt vor dem kulturellen Erbe und mit einer klaren Zukunftsvision, soll dem Haus neues Leben eingehaucht werden», erzählt Daniela Koller, Mitinhaberin der Forol AG – Besitzerin des Hotels Ekkehard. Der imposante Stadtsaal soll für mehr Rentabilität weichen. Durch den Einzug eines Zwischenbodens entsteht neuer Raum für Hotelgäste – insgesamt sollen 103 neue Hotelzimmer entstehen. Das Hotel soll wieder zu einem wichtigen Treffpunkt im Quartier werden.


Zwischen sieben Meter hohen Schiebewänden, welche den Vorsaal vom Hauptsaal trennen, erblicke ich den grossen gloriosen Ekkehard Saal, in dessen Mitte eine symmetrische, blau akzentuierte Bühne liegt. Der Boden ist aufgerissen und das Parkett von den Dielen entfernt. Die hängende Deckenbeleuchtung wurde entfernt und es hängen stellvertretend nur noch Kabel von der Decke.
Zwischen sieben Meter hohen Schiebewänden, welche den Vorsaal vom Hauptsaal trennen, erblicke ich den grossen gloriosen Ekkehard Saal, in dessen Mitte eine symmetrische, blau akzentuierte Bühne liegt. Der Boden ist aufgerissen und das Parkett von den Dielen entfernt. Die hängende Deckenbeleuchtung wurde entfernt und es hängen stellvertretend nur noch Kabel von der Decke.
Ein legendärer Ort voller Erinnerungen ... Es wurde getanzt, gelacht und gefeiert. Ein Ort an dem viele Bälle, Aufführungen und Konzerte stattfanden. Bis zuletzt auch der elegante und traditionsreiche Österreicher-Ball der jedes Jahr mit Wiener Walzer Musik im grossen Saal stattfand.
Ein legendärer Ort voller Erinnerungen ... Es wurde getanzt, gelacht und gefeiert. Ein Ort an dem viele Bälle, Aufführungen und Konzerte stattfanden. Bis zuletzt auch der elegante und traditionsreiche Österreicher-Ball der jedes Jahr mit Wiener Walzer Musik im grossen Saal stattfand.
Auf der Bühne angekommen, betrachte ich den grossen Saal. Ein Ort voller Erinnerungen. So erzählte mir Daniela Koller, Inhaberin der Forol AG, von Erzählungen von Gästen des Ekkehard. Aussagen wie «Hier habe ich das erste Mal meine Freundin geküsst», seien typisch für diesen Ort. Das gesellschaftliche Leben wurde zelebriert. St.Gallen war stolz auf ein Flaggschiff mit grossem Renommee.
Auf der Bühne angekommen, betrachte ich den grossen Saal. Ein Ort voller Erinnerungen. So erzählte mir Daniela Koller, Inhaberin der Forol AG, von Erzählungen von Gästen des Ekkehard. Aussagen wie «Hier habe ich das erste Mal meine Freundin geküsst», seien typisch für diesen Ort. Das gesellschaftliche Leben wurde zelebriert. St.Gallen war stolz auf ein Flaggschiff mit grossem Renommee.
Und wieder nehme ich die Treppe, nun gehe ich in den vierten Stock. Es nähert sich die Mittagspause, und das kühle Licht hat eine ganz besondere Atmosphäre.
Und wieder nehme ich die Treppe, nun gehe ich in den vierten Stock. Es nähert sich die Mittagspause, und das kühle Licht hat eine ganz besondere Atmosphäre.
Allgemein ist die Kraft des Lichtes an diesem so speziellen Ort ein Phänomen, das ihn zu etwas Besonderem macht. Vorhänge sind schon über die Hälfte nach unten gerissen – vulnerabel, sphärisch, anmutend und elegant.
Allgemein ist die Kraft des Lichtes an diesem so speziellen Ort ein Phänomen, das ihn zu etwas Besonderem macht. Vorhänge sind schon über die Hälfte nach unten gerissen – vulnerabel, sphärisch, anmutend und elegant.
Im vierten Stock angelangt, erblicke ich einen eher technisch anmutenden Raum. Die Leitungen sind raumgreifend vor dem Fenster platziert und vermitteln eine spezielle Atmosphäre. Ich sehe das Linsebühl-Quartier über den Kindergarten hin zum Frauenarchiv. Es fühlt sich sehr vertraut an.
Im vierten Stock angelangt, erblicke ich einen eher technisch anmutenden Raum. Die Leitungen sind raumgreifend vor dem Fenster platziert und vermitteln eine spezielle Atmosphäre. Ich sehe das Linsebühl-Quartier über den Kindergarten hin zum Frauenarchiv. Es fühlt sich sehr vertraut an.

Die Eisenleitungen und Fittings leiten das Abwasser in den Untergrund hinab. 1895, zeitgleich zum Bau des Hotels, sicherte die gerade fertiggestellte Pumpleitung vom Bodensee die Versorgung der Stadt mit genügend Wasser in guter Qualität. Dies sorgte dafür, dass die Hotelgäste so ihre warme Dusche stets geniessen konnten.
Die Eisenleitungen und Fittings leiten das Abwasser in den Untergrund hinab. 1895, zeitgleich zum Bau des Hotels, sicherte die gerade fertiggestellte Pumpleitung vom Bodensee die Versorgung der Stadt mit genügend Wasser in guter Qualität. Dies sorgte dafür, dass die Hotelgäste so ihre warme Dusche stets geniessen konnten.


Dem Flur folgend, in den oberen Etagen, befinden sich die Gästezimmer im 1980er-Jahre-Stil.
Dem Flur folgend, in den oberen Etagen, befinden sich die Gästezimmer im 1980er-Jahre-Stil.
Ich erblicke eine aufgebrochene Tür, mich durchdringen Fragen, wer hat hier wohl seinerzeit residiert? Warum ist die Türe aufgebrochen? Wo ist das Zimmer mit der Nummer 237?
Ich erblicke eine aufgebrochene Tür, mich durchdringen Fragen, wer hat hier wohl seinerzeit residiert? Warum ist die Türe aufgebrochen? Wo ist das Zimmer mit der Nummer 237?
Die rot gesäumte Türe ist durchbrochen und legt die Ziegel frei. Ob das von einer Polizeiübung stammt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. An der roten Wand ist ein Feuerlöschschlauch montiert, eine Brandschutzeinrichtung, die zum Glück in den 130 Jahren niemals gebraucht wurde.
Die rot gesäumte Türe ist durchbrochen und legt die Ziegel frei. Ob das von einer Polizeiübung stammt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. An der roten Wand ist ein Feuerlöschschlauch montiert, eine Brandschutzeinrichtung, die zum Glück in den 130 Jahren niemals gebraucht wurde.
Im obersten Fenster sehen wir in Richtung Innenhof. Hier wird die Verbindung vom neueren Wohnhaus (links) mit dem alten Hotel Ekkehard (rechts) deutlich. Denn in der neuen Baueingabe sollen beide Gebäude zu einem Hotel verschmelzen. Es sollen künftig Platz für 103 Hotelzimmer, ein Restaurant, ein Bistro und eine Bar geschaffen werden. Herr Reiner schmunzelt: «Das einzig wirtschaftliche Element in den letzten 20 Jahren war die Swisscom Antenne auf dem Dach des ehemaligen Hotels. Jedes Telefonat im gesamten Linsebühl-Quartier wird über diese Antenne empfangen und weitergeleitet.» Voller Eindrücke mache mich wieder auf den Weg, die Treppen hinab zu steigen.
Im obersten Fenster sehen wir in Richtung Innenhof. Hier wird die Verbindung vom neueren Wohnhaus (links) mit dem alten Hotel Ekkehard (rechts) deutlich. Denn in der neuen Baueingabe sollen beide Gebäude zu einem Hotel verschmelzen. Es sollen künftig Platz für 103 Hotelzimmer, ein Restaurant, ein Bistro und eine Bar geschaffen werden. Herr Reiner schmunzelt: «Das einzig wirtschaftliche Element in den letzten 20 Jahren war die Swisscom Antenne auf dem Dach des ehemaligen Hotels. Jedes Telefonat im gesamten Linsebühl-Quartier wird über diese Antenne empfangen und weitergeleitet.» Voller Eindrücke mache mich wieder auf den Weg, die Treppen hinab zu steigen.

 
 
 

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