Führung in «unserer» Jugendherberge
Eine günstige Übernachtungsgelegenheit, dafür stehen Jugendherbergen fast sprichwörtlich. Eine von schweizweit 53 befindet sich in unserem Quartier, unweit der Haltestelle Birnbäumen. Ende August organisierte der Quartierverein eine Führung, um einen Einblick in den Betrieb der Jugi zu bekommen.

Manchmal sieht man Gäste, die auf dem Weg sind in die Jugi. Ansonsten kennt man die Jugi aber nicht wirklich, man gehört ja nicht zur Zielgruppe. Um doch mal einen Blick reinwerfen zu können, hat der Quartierverein am 20. August eine kleine Führung samt Apéro organisiert. Rund 20 Personen waren «gwundrig» und kamen an die Jüchstrasse.
Ganzes Haus kann gemietet werden
Eine von vielen Fragen war: Wer macht denn hier eigentlich Ferien und warum? René Eugler weiss es, er kennt die Schweizer Jugendherbergen gut und vertrat an diesem Abend die Leiterin Christina Steyn. Die Gäste seien nicht nur Jugendliche, sagte er, «wir sprechen von einem Generationenhaus». Sie wollen von hier aus die ganze Säntis-Region erkunden oder einfach die Stadt kennenlernen. Einige sind auf der Durchreise, etwa auf Velotour oder Schulreise. Studierende führen hier manchmal Seminare durch. Grössere Gesellschaften können auch das ganze Haus mit seinen 86 Betten mieten.

Der Standort punktet mit einem grossen Garten und einer unvergleichlichen Aussicht bis zum Bodensee. Typisch Jugendherberge: Man möchte auch für wenig Geld etwas Besonderes bieten, sagt René. So übernachten die Gäste manchenorts in historischen Gebäuden (Martigny) oder echten Burgen (Burgdorf).
Zweckmässig und solide
Nach dem kurzen Input-Referat im hellen Speisesaal begann die eigentliche Führung. Die Gäste liessen sich von René die verschiedenen Räumlichkeiten zeigen. Der Rundgang verlief durch verschiedene Schlafräume mit zwei bis sechs Betten. Die Nasszellen liegen praktischerweise jeweils zwischen Gang und Zimmer, so dass Lärm von draussen kaum ins Zimmer dringt.
Die Einrichtung ist einerseits zweckmässig und andererseits solide, damit nicht viel kaputt gehen kann. Damit wirkt vieles eher nüchtern, dank einiger farbiger Elemente dennoch freundlich. Weiter besichtigt wurden der Gemeinschaftsraum mit Töggelikasten und der «TV Room», schliesslich noch der grosszügige Garten. Man sieht hier: Die Jugi-Gäste machen nicht anonym Urlaub, sondern sind offen für Begegnungen mit anderen.

Das Gebäude aus den 1970er Jahren gehört der Stadt St.Gallen, die es den Schweizer Jugendherbergen günstig verpachtet. Einiges ist nicht mehr zeitgemäss: in Isolation, Heizung und Barrierefreiheit müsste investiert werden. Ein weiterer Nachteil: Trotz guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist der Ort eher abgelegen. Laut Webseite brauchen die Gäste 21 Minuten bis zur Stiftsbibliothek. Das führt zu einer relativ tiefen Auslastung.
Wie weiter mit dem Standort?
So ist die Zukunft der Jugi ungewiss. In einer Stellungnahme zum Thema Volksbad, schrieb der Stadtrat im Juni, dass die «längerfristige Weiterführung am bestehenden Standort ausgeschlossen» sei. Die Stadt lässt nun prüfen, ob die Jugendherberge ins Volksbad ziehen soll, welches seit längerem sanierungsbedürftig ist. Das Thema sorgte an der Führung für viele Fragen, viele zeigten sich über diese Idee erstaunt. Wir Quartierbewohnenden dürfen jedenfalls gespannt sein, welche Wendung die Sache nimmt.
Text: Benjamin Altwegg, Fotos: Sascha Schmid




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